Die Idee, Solarpanels selbst zu montieren, ist verlockend. Schliesslich lassen sich dadurch die Installationskosten erheblich reduzieren, die in der Schweiz einen bedeutenden Anteil der Gesamtinvestition ausmachen. Doch ist die Eigenmontage wirklich eine gute Idee? In diesem Artikel beleuchten wir die rechtlichen Rahmenbedingungen, die technischen Anforderungen und die praktischen Grenzen der Selbstmontage von Solaranlagen in der Schweiz.
Grundsätzlich ist es in der Schweiz erlaubt, die mechanische Montage von Solarmodulen selbst durchzuführen. Das umfasst die Befestigung der Dachhaken, die Montage der Schienen und das Einlegen der Module. Was Sie jedoch nicht selbst machen duerfen, ist die gesamte Elektroinstallation. Diese muss zwingend von einem konzessionierten Elektroinstallateur mit einer Installationsbewilligung des ESTI (Eidgenössisches Starkstrominspektorat) durchgeführt werden. Das ist in der Niederspannungs-Installationsverordnung (NIV) klar geregelt und keine Empfehlung, sondern Gesetz.
Was Sie selbst machen können
Die mechanische Montage der Unterkonstruktion und der Module ist der arbeitsintensivste Teil der Solarinstallation. Wenn Sie handwerklich geschickt sind, Erfahrung mit Dacharbeiten haben und die notwendige Sicherheitsausrüstung besitzen, können Sie diesen Teil theoretisch selbst übernehmen. Dazu gehört das Setzen der Dachhaken, das Montieren der Tragschienen, das Einlegen und Befestigen der Module mit den Klemmen sowie die mechanische Befestigung der DC-Kabel an der Unterkonstruktion.
Viele Hersteller von Montagesystemen bieten detaillierte Montageanleitungen an, die auch für versierte Heimwerker verständlich sind. Die Systeme sind so konzipiert, dass sie mit Standardwerkzeugen wie Akkuschrauber, Drehmomentschlüssel und Wasserwaage montiert werden können. Spezialwerkzeuge sind in der Regel nicht erforderlich.
Wenn Sie eine Balkon-Solaranlage (Plug-in-Anlage) bis 600 Watt installieren möchten, gelten vereinfachte Regeln. Diese Kleinstanlagen können an eine normale Steckdose angeschlossen werden und müssen lediglich beim Energieversorger angemeldet werden. Hier ist die Selbstmontage unkompliziert und verbreitet. Allerdings ist die Leistung dieser Anlagen begrenzt und der Energieertrag entsprechend gering.
Was Sie nicht selbst machen dürfen
Die klare Grenze der Selbstmontage liegt bei der Elektroinstallation. Folgende Arbeiten dürfen ausschliesslich von einem konzessionierten Elektroinstallateur ausgeführt werden: der Anschluss der DC-Leitungen am Wechselrichter, die Installation des DC-Trennschalters, der AC-Anschluss des Wechselrichters an den Zählerschrank, die Anpassung des Zählerschranks, die Installation des bidirektionalen Zählers und die Erdung der Anlage einschliesslich des Potentialausgleichs.
Ein Verstoss gegen diese Vorschriften ist nicht nur illegal, sondern auch gefährlich. DC-Spannungen einer Solaranlage können 600 bis 1000 Volt erreichen. Ein Lichtbogen bei unsachgemässem Anschluss kann einen Brand verursachen. Zudem erlischt bei einer nicht fachgerecht durchgeführten Elektroinstallation der Versicherungsschutz. Sowohl die Gebäudeversicherung als auch die Haftpflichtversicherung können im Schadensfall die Leistung verweigern.
Sicherheitsrisiken bei der Eigenmontage
Das grösste Risiko bei der Selbstmontage ist der Absturz vom Dach. In der Schweiz verunfallen jährlich zahlreiche Personen bei Dacharbeiten, darunter auch bei der Montage von Solaranlagen. Die SUVA schreibt ab einer Absturzhöhe von 3 Metern zwingend eine Absturzsicherung vor. Diese kann ein Gerüst, ein Auffangnetz oder eine persönliche Schutzausrüstung (PSA) mit Auffanggurt und Sicherungsseil sein.
Professionelle Solarinstallateure verfügen über die notwendige PSA, sind im Umgang damit geschult und kennen die richtigen Anschlagpunkte auf dem Dach. Als Privatperson müssen Sie diese Ausrüstung erst beschaffen (Kosten: CHF 500 bis CHF 1500) und den sicheren Umgang damit erlernen. Ein Auffanggurt allein nützt nichts, wenn er nicht korrekt angelegt und an einem geeigneten Punkt befestigt ist.
Neben dem Absturzrisiko gibt es weitere Gefahren: das Durchbrechen durch morsches Dachholz oder brüchige Eternitplatten, das Abrutschen auf nassen oder vereisten Dachziegeln und die Gefahr durch herabfallende Werkzeuge oder Module, die Personen am Boden verletzen können. Ein Solarmodul wiegt 20 bis 25 Kilogramm und ist bei Wind schwer zu kontrollieren.
Garantie- und Versicherungsfragen
Ein oft übersehener Aspekt der Selbstmontage sind die Auswirkungen auf Garantie und Versicherung. Die Herstellergarantie auf Solarmodule deckt in der Regel nur Produktfehler ab, nicht Schäden durch unsachgemässe Montage. Wenn ein Modul aufgrund einer falsch gesetzten Klemme bricht, ist das kein Garantiefall. Gleiches gilt für das Montagesystem: Wenn die Dachhaken nicht korrekt befestigt werden und sich die Anlage bei Sturm löst, haftet der Hersteller des Montagesystems nicht.
Die Gebäudeversicherung kann bei selbst montierten Anlagen Probleme machen. Viele Versicherer verlangen den Nachweis einer fachgerechten Installation durch einen anerkannten Fachbetrieb. Fehlt dieser Nachweis und es kommt zu einem Schaden, kann die Versicherung die Leistung kürzen oder ganz verweigern.
Die Förderung durch die Einmalvergütung (EIV) von Pronovo ist grundsätzlich auch für selbst montierte Anlagen möglich, sofern die Elektroinstallation von einem konzessionierten Installateur durchgeführt und die Sicherheitsnachweisung (SiNa) erstellt wurde. Ohne SiNa gibt es keine Förderung.
Kostenvergleich: Selbstmontage vs. Profi
Die potenzielle Ersparnis durch Selbstmontage beträgt bei einer typischen 10-kWp-Anlage CHF 2000 bis CHF 4000, das sind die reinen Arbeitskosten für die mechanische Montage. Die Elektroinstallation müssen Sie ohnehin bezahlen, ebenso wie die Materialien. Das Gerüst oder die Absturzsicherung brauchen Sie auch bei der Selbstmontage.
Dem gegenüber stehen die Risiken: möglicher Verlust der Garantie, Versicherungsprobleme, Sicherheitsrisiken und die Tatsache, dass ein erfahrener Monteur die Arbeit in der halben Zeit und in besserer Qualität erledigt. Wenn Sie Ihren eigenen Stundenlohn gegenrechnen, relativiert sich die Ersparnis weiter.
Eine Alternative zur vollständigen Selbstmontage ist die Teilleistung. Einige Installateure bieten an, dass der Auftraggeber einfache Vorarbeiten übernimmt, etwa das Freiräumen des Dachbodens, das Bereitstellen von Lagerflächen oder das Abdecken empfindlicher Bereiche. Die eigentliche Montage und Elektroinstallation wird dann vom Fachbetrieb durchgeführt. Diese Variante spart einige hundert Franken und reduziert die Risiken erheblich.
Wann Eigenmontage sinnvoll sein kann
Es gibt durchaus Situationen, in denen eine teilweise Eigenmontage sinnvoll sein kann. Wenn Sie ein erfahrener Dachdecker, Zimmermann oder Spengler sind und regelmässig auf Dächern arbeiten, verfügen Sie über die notwendige Erfahrung und Ausrüstung. In diesem Fall können Sie die mechanische Montage selbst durchführen und nur die Elektroinstallation dem Fachbetrieb überlassen.
Auch bei kleinen Anlagen auf Carports, Garagen oder Gartenhäusern, die leicht zugänglich und niedrig sind, ist die Eigenmontage praktikabler. Hier ist das Absturzrisiko geringer und die Arbeit einfacher. Für Balkon-Solaranlagen ist die Selbstmontage ohnehin die Regel und empfehlenswert.
Wenn Sie sich für die Eigenmontage entscheiden, empfehlen wir dringend, sich vorab gründlich zu informieren, die Montageanleitung des Herstellers genau zu studieren und niemals allein auf dem Dach zu arbeiten. Lassen Sie die Elektroinstallation immer von einem Fachbetrieb durchführen und dokumentieren Sie Ihre Arbeit sorgfältig mit Fotos.
Unser Fazit
Die Selbstmontage von Solaranlagen ist in der Schweiz grundsätzlich möglich, aber mit erheblichen Einschränkungen und Risiken verbunden. Die Elektroinstallation muss zwingend von einem konzessionierten Fachbetrieb durchgeführt werden. Die potenzielle Ersparnis steht den Risiken in den meisten Fällen nicht in einem günstigen Verhältnis gegenüber. Wir empfehlen daher, die gesamte Installation einem erfahrenen Fachbetrieb zu überlassen, der die Arbeiten sicher, fachgerecht und mit Garantie durchführt. So profitieren Sie von einer optimalen Anlage, die über Jahrzehnte hinweg zuverlässig Strom produziert.